Lohn vs. Dividenden in der Schweiz: Wie entscheiden Geschäftsführer von KMU?

Eine detaillierte Analyse für Geschäftsführer von KMU in der Schweiz, um ihre Vergütung durch eine intelligente Kombination aus Lohn und Dividenden zu optimieren und dabei Steuergrenzen, Sozialabgaben und das Risiko einer Umqualifizierung zu steuern.

Von Ark Fiduciaire

Veröffentlicht am 26.02.2026

Lesezeit: 8min (1537 words)

Wirtschaftliche und steuerliche Logik: Lohn vs. Dividenden

Wenn ein Geschäftsführer eines KMU in der Schweiz über seine Vergütung nachdenkt, muss er zwischen zwei Hauptoptionen wählen: Lohn und Dividenden. Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile, sowohl steuerlich als auch wirtschaftlich. Das Verständnis dieser Logik ist entscheidend, um das Einkommen zu optimieren und gleichzeitig die gesetzlichen Verpflichtungen einzuhalten.

Der Lohn: Stabile und sichere Vergütung

Der Lohn ist eine feste und regelmäßige Zahlung des Unternehmens an seinen Geschäftsführer. Er unterliegt den Sozialabgaben (AHV, IV, EO usw.) sowie der Einkommenssteuer. Hier die wichtigsten Vor- und Nachteile:

Vorteile:

  • Vollständiger Sozialversicherungsschutz (Rente, Arbeitslosenversicherung usw.).
  • Stabiles Einkommen, auch bei schwankenden Unternehmensergebnissen.
  • Als abzugsfähige Ausgabe für das Unternehmen anerkannt, was den steuerpflichtigen Gewinn reduziert.

Nachteile:

  • Oft höhere Besteuerung als Dividenden.
  • Hohe Sozialabgaben für Unternehmen und Geschäftsführer.

Dividenden: Steuerlich vorteilhafte Zusatzeinnahmen

Dividenden sind Gewinne, die nach Abzug der Unternehmenssteuern an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Sie unterliegen einer Verrechnungssteuer von 35 %, die unter bestimmten Bedingungen zurückgefordert werden kann.

Vorteile:

  • In der Regel niedrigere Besteuerung als Lohn dank Teilbesteuerung der Dividenden (50 % für qualifizierte Aktionäre).
  • Keine Sozialabgaben auf Dividenden.

Nachteile:

  • Kein Sozialversicherungsschutz (keine AHV, IV usw.).
  • Abhängig vom erzielten Unternehmensgewinn.

Steuerliche Risiken: Umqualifizierung, Kontrollen und Sozialabgaben

Die Entscheidung zwischen Lohn und Dividenden ist nicht risikofrei. Die Schweizer Steuerbehörden überwachen diese Praktiken genau, um Missbrauch zu verhindern.

Steuerliche Umqualifizierung

Wenn die Behörden die Aufteilung zwischen Lohn und Dividenden als unverhältnismäßig ansehen, können sie einen Teil der Dividenden als Lohn umqualifizieren. Dies führt zu:

  • Nachträglicher Zahlung von Sozialabgaben.
  • Verzugszinsen.
  • Möglichen Bussen wegen Nichteinhaltung steuerlicher Pflichten.

Steuerkontrollen

Schweizer KMU werden regelmäßig kontrolliert, um die Einhaltung der steuerlichen Vorschriften zu überprüfen. Wichtige Punkte sind:

  • Verhältnis zwischen Lohn und Dividenden.
  • Wirtschaftliche Begründung der gewählten Vergütung.
  • Möglicher Rechtsmissbrauch.

Sozialabgaben

Obwohl Dividenden von Sozialabgaben befreit sind, kann ein zu niedriger Lohn negative Folgen haben:

  • Unzureichender Sozialversicherungsschutz für den Geschäftsführer.
  • Negatives Bild bei den Steuerbehörden.

Fallstudie: Zahlenvergleich Lohn und Dividenden im KMU

Beispiel: Ein Schweizer KMU mit einem Jahresgewinn von 200'000 CHF. Der Geschäftsführer ist Hauptaktionär und muss zwischen hohem Lohn oder einer Kombination aus Lohn/Dividenden wählen.

OptionNur LohnKombination Lohn/Dividenden
Bruttolohn200'000 CHF100'000 CHF
Dividenden0 CHF100'000 CHF
Sozialabgaben25'000 CHF12'500 CHF
Einkommenssteuer35'000 CHF20'000 CHF
Dividendensteuer0 CHF7'500 CHF
Gesamtnettoeinkommen140'000 CHF160'000 CHF

In diesem Beispiel ermöglicht die Kombination Lohn/Dividenden eine Optimierung der Steuerlast und eine Erhöhung des Nettoeinkommens des Geschäftsführers.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Fehler 1: Zu niedriger Lohn

Ein zu niedriger Lohn kann zu einer steuerlichen Umqualifizierung und Sanktionen führen. Lösung: Einen angemessenen Schwellenwert entsprechend den Marktpraktiken einhalten.

Fehler 2: Sozialversicherungsschutz vernachlässigen

Wer Dividenden bevorzugt, vergisst manchmal, dass der Sozialschutz reduziert wird. Lösung: Einen ausreichenden Lohn beibehalten, um einen angemessenen Sozialschutz zu gewährleisten.

Fehler 3: Gesetzliche Pflichten vergessen

Falsche Deklaration von Dividenden oder Löhnen kann zu Sanktionen führen. Lösung: Zusammenarbeit mit einer Treuhandgesellschaft zur Sicherstellung der Konformität.

Fehler 4: Schlechte Liquiditätsplanung

Zu hohe Dividendenausschüttungen können die Liquidität des Unternehmens gefährden. Lösung: Einen soliden Finanzplan vor jeder Ausschüttung erstellen.

Schritte zur Optimierung Ihrer Vergütung

  1. Persönlichen Bedarf ermitteln: Bestimmen Sie das notwendige Einkommen für Ihre persönlichen Ausgaben.
  2. Unternehmensergebnisse analysieren: Ermitteln Sie den verfügbaren Gewinn für eine mögliche Dividendenausschüttung.
  3. Steuerexperten konsultieren: Lassen Sie sich zur optimalen Aufteilung zwischen Lohn und Dividenden beraten.
  4. Angemessenen Lohn festlegen: Stellen Sie sicher, dass dieser den Marktstandards entspricht und ausreichenden Sozialschutz bietet.
  5. Dividenden berechnen: Bestimmen Sie den auszuschüttenden Betrag unter Berücksichtigung steuerlicher Pflichten und der Liquidität.
  6. Notwendige Unterlagen vorbereiten: Sorgen Sie dafür, dass Protokolle und Steuererklärungen in Ordnung sind.

Checkliste: Schlüsselpunkte für eine erfolgreiche Entscheidung

  • Haben Sie Ihren persönlichen Finanzbedarf ermittelt?
  • Entspricht Ihr Lohn den Marktstandards?
  • Haben Sie einen Steuerexperten konsultiert?
  • Verfügt Ihr Unternehmen über genügend Liquidität für Dividendenausschüttungen?
  • Haben Sie alle notwendigen Unterlagen für die Steuerbehörden vorbereitet?

FAQ: Lohn- vs. Dividendenoptimierung in der Schweiz

1. Gibt es einen Mindestlohn für Geschäftsführer von KMU in der Schweiz?

Es gibt keinen gesetzlichen Mindestlohn für Geschäftsführer, aber der Lohn muss angemessen und marktüblich sein, um eine steuerliche Umqualifizierung zu vermeiden.

2. Sind Dividenden immer vorteilhafter als Lohn?

Nein, das hängt von mehreren Faktoren ab, insbesondere vom Gewinn, der persönlichen Steuersituation und dem Bedarf an Sozialschutz.

3. Wie kann ich die Verrechnungssteuer auf Dividenden zurückfordern?

Die 35% Verrechnungssteuer kann zurückgefordert werden, indem die Dividenden in der Steuererklärung deklariert werden, sofern die gesetzlichen Pflichten eingehalten werden.

4. Kann ich 100% des Gewinns als Dividenden ausschütten?

Nein, es ist ratsam, einen Teil des Gewinns zur Sicherung der Unternehmensliquidität zurückzubehalten.

5. Welche Unterlagen werden für Dividendenausschüttungen benötigt?

Sie benötigen Protokolle der Generalversammlung, genehmigte Jahresabschlüsse und die entsprechenden Steuererklärungen.

6. Sollte ich einen Experten zur Optimierung meiner Vergütung konsultieren?

Ja, ein Steuerexperte oder Treuhänder kann Ihnen helfen, die gesetzlichen Pflichten einzuhalten und Ihr Nettoeinkommen zu maximieren.

Fazit

Die Entscheidung zwischen Lohn und Dividenden ist für Geschäftsführer von KMU in der Schweiz strategisch. Wer die steuerlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen jeder Option versteht, häufige Fehler vermeidet und Experten beizieht, kann seine Vergütung optimieren und die gesetzlichen Pflichten einhalten. Analysieren Sie Ihre Situation sorgfältig und holen Sie sich bei Bedarf professionellen Rat.

Fortgeschrittene Strategien zur Optimierung der Lohn-/Dividendenaufteilung

Um Ihre Vergütung als Geschäftsführer eines KMU in der Schweiz weiter zu optimieren, sollten Sie fortgeschrittene Strategien in Betracht ziehen. Diese Ansätze ermöglichen es, das Einkommen zu maximieren und gleichzeitig steuerliche und soziale Risiken zu minimieren.

: Naturalleistungen integrieren

Naturalleistungen wie die Nutzung eines Firmenwagens oder die Übernahme bestimmter beruflicher Kosten können Ihre Vergütung effektiv ergänzen. Diese Vorteile sind oft steuerlich vorteilhaft und reduzieren die Sozialabgaben.

Beispiele für Naturalleistungen:

  • Firmenwagen
  • Übernahme von Weiterbildungskosten
  • Beiträge zu privaten Vorsorgeplänen
  • Erstattung von beruflichen Reisekosten

Vorteile:

  • Reduzierung der Sozialabgaben
  • Steueroptimierung
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Nachteile:

  • Einhaltung von Höchstgrenzen und steuerlichen Vorschriften erforderlich
  • Risiko der Umqualifizierung bei übermäßigen Vorteilen

: Stille Reserven nutzen

Stille Reserven sind nicht ausgeschüttete Gewinne oder unterbewertete Vermögenswerte in der Bilanz des Unternehmens. Ihre Mobilisierung kann eine effektive Strategie zur Steueroptimierung sein.

Schritte zur Nutzung stiller Reserven:

  1. Unterbewertete Vermögenswerte in der Bilanz identifizieren.
  2. Eine steuerkonforme Neubewertung durchführen.
  3. Die aus der Neubewertung resultierenden Gewinne als Dividenden ausschütten.

Achtung: Diese Strategie erfordert eine gründliche Analyse und die Begleitung durch einen Buchhalter, um steuerliche Risiken zu vermeiden.

Auswirkungen der Schweizer Steuerreform auf Dividenden

Die Steuerreform und AHV-Finanzierung (RFFA), die 2020 in Kraft trat, hat die steuerlichen Regeln für Dividenden geändert. Für Geschäftsführer von KMU ist es wichtig, diese Änderungen zu verstehen, um ihre Vergütungsstrategie anzupassen.

: Senkung der Gewinnsteuersätze

Die RFFA hat in mehreren Kantonen zu einer Senkung der Gewinnsteuersätze geführt. Unternehmen können dadurch einen größeren Teil ihres Gewinns behalten, was die Entscheidung zur Dividendenausschüttung beeinflussen kann.

: Erhöhung der Teilbesteuerung von Dividenden

Für qualifizierte Aktionäre wurde der steuerpflichtige Anteil der Dividenden in einigen Kantonen erhöht. Dadurch verringert sich der Steuervorteil von Dividenden gegenüber dem Lohn leicht, bleibt aber in vielen Fällen attraktiv.

Vor RFFANach RFFA
Teilbesteuerung Dividenden: 50 %Teilbesteuerung Dividenden: 70 % (je nach Kanton)
Gewinnsteuersatz: 20 %Gewinnsteuersatz: 14-18 %

: Konsequenzen für Geschäftsführer von KMU

  • Überprüfung der Lohn-/Dividendenaufteilung: Mit der Erhöhung der Teilbesteuerung von Dividenden kann eine Neubewertung der optimalen Aufteilung sinnvoll sein.
  • Kantonale Änderungen antizipieren: Die Steuersätze variieren je nach Kanton, daher ist es wichtig, lokale Entwicklungen zu verfolgen.

Checkliste: Fortgeschrittene Strategien zur Optimierung Ihrer Vergütung

  • Haben Sie Naturalleistungen in Ihre Vergütung integriert?
  • Haben Sie die stillen Reserven Ihres Unternehmens für eine mögliche Neubewertung analysiert?
  • Kennen Sie die aktuellen Steuersätze in Ihrem Kanton?
  • Haben Sie die Auswirkungen der RFFA-Reform auf Ihre Dividenden berücksichtigt?
  • Haben Sie einen Experten konsultiert, um die steuerlichen Auswirkungen der neuen Regeln zu bewerten?

FAQ (Fortsetzung)

7. Unterliegen Dividenden in der Schweiz der Mehrwertsteuer?

Nein, Dividenden unterliegen in der Schweiz nicht der Mehrwertsteuer, da sie keine Dienstleistung oder Warenlieferung darstellen.

8. Welche Rolle spielen gesetzliche Reserven bei der Dividendenausschüttung?

Unternehmen müssen vor der Dividendenausschüttung gesetzliche Reserven bilden. Diese dienen der finanziellen Stabilität des Unternehmens.

9. Kann ich die Lohn-/Dividendenaufteilung jedes Jahr ändern?

Ja, die Aufteilung kann jährlich an die Unternehmensentwicklung und steuerliche Änderungen angepasst werden. Es empfiehlt sich jedoch, eine gewisse Kontinuität zu wahren, um Misstrauen der Steuerbehörden zu vermeiden.

10. Welche Risiken bestehen bei schlechter Dividendenverwaltung?

Eine schlechte Verwaltung der Dividenden kann zu steuerlichen Sanktionen, Umqualifizierungen als Lohn oder Liquiditätsproblemen führen.

11. Gibt es in der Schweiz eine Obergrenze für Dividenden?

Es gibt keine gesetzliche Obergrenze, aber die Höhe der Dividenden muss durch den Unternehmensgewinn gedeckt und die gesetzlichen Vorgaben, insbesondere die Bildung gesetzlicher Reserven, eingehalten werden.

Fazit: Proaktives Management für eine optimale Vergütung

Die Optimierung der Vergütung von Geschäftsführern von KMU in der Schweiz basiert auf einer gründlichen Analyse der verfügbaren Optionen und deren steuerlichen und sozialen Auswirkungen. Durch die Integration fortgeschrittener Strategien, die Berücksichtigung von Steuerreformen und die Unterstützung durch Experten ist es möglich, das Einkommen zu maximieren und die finanzielle Situation zu sichern. Planen und passen Sie Ihre Strategie regelmäßig an, um mit den rechtlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten.


Referenzen

Domizilierung und Geschäftsführung von Unternehmen in der Westschweiz: 2026 – Fallstricke, konkrete Schritte und praktische Tipps für KMU und Selbständige

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